Montag, 16. September 2019

Eine Teilnehmerin berichtet über den 5. Block des Intensivjahres

Für jemanden, der diesen Beitrag ohne Jin Shin Jyutsu Vorkenntnisse liest, mag das erst einmal nicht erklären, warum meine Spannung groß war. Ich werde versuchen, einen Einblick zu geben.

Die fünfte Tiefe ist die Tiefe der Bemühung und Verstellung. Die Organe, die hier liegen sind Herz und Dünndarm. Der Darm - das ist nicht neu - wird als das zweite Nervenzentrum unseres Körpers betrachtet. Dieses Zentrum unterscheidet zwischen dem, was uns gut tut und was nicht, während das Herz alles in uns im Fluß hält. Die mit diesen beiden Organen verbundenen Sternzeichen sind Jungfrau und Löwe, deren Einstellungen im Gegensatz und gleichzeitiger Verbindung stehen. Die Jungfrau sagt „ich analysiere“, während der Löwe in die Welt ausstrahlen, sich ausdehnen möchte. Ist unsere fünfte Tiefe harmonisiert, möchten wir die Welt durchdringen und begreifen, suchen wir nach Anhaltspunkten wie wir uns in sie einbringen können - mit all unseren Eigenschaften und Anlagen. Wir gehen aufrecht und geben unser Herz in die Welt - so wie es ist. Wir sind unser authentisches Selbst und in der Lage, in Freiheit, Liebe und Selbstliebe zu leben. Oder - in anderen Worten: wir leben aus unserem Herzen.

Mit diesen Eigenschaften steht die harmonische fünfte, im klaren Gegensatz zur vierten Tiefe, die uns bei Disharmonie anhält in der Angst zu verharren. Denn auch Angst gibt uns Sicherheit. Lassen wir uns von der Angst leiten, leben wir hinter einer kalkulierten Fassade, zeigen nicht unsere eigentliche Wirklichkeit und lassen unser Ich von Stagnation und Enge begrenzen. Unser Kopf filtert die für akzeptabel befundenen Bestandteile unseres Ichs heraus und lässt sie in die Welt hinaus. Alles andere wird verschlossen.

Leben wir in dieser Disharmonie entstehen in der fünften Tiefe Allergien, sowie nervale und kardiologische Krankheitsbilder. Wir können nicht mehr frei darüber entscheiden, was uns gut tut, wir negieren und vergessen unseren wahren Kern und unser Herz erstarrt in der Enge, der aus Angst gesetzten Grenzen.

All diese Eigenschaften waren der Grund meiner Spannung und Vorfreude auf dieses Wochenende. Denn ich gehöre seit Anbeginn meiner Zeitrechnung zu dem Stamm der „aus dem Kopf lebenden“. Mein Innerstes ist zart und verletzlich. Seit je her habe ich es durch über-genaue Analysen meiner Umwelt und einer großen Wissensanhäufung geschützt. Ich war ein Meister der Verstellung. Ein introvertierter Mensch mit einer extrovertierten Fassade, der mit unnachgiebiger Härte gegen die „schwachen" Teile seines Herzens vorgegangen ist. Es wurden mir Stärke und Gelassenheit nachgesagt während mein Innerstes von Hilflosigkeit und ewiger Bemühung geprägt war.

Wie es sich damit lebt? Nun, man kann das durchaus lange durchhalten, ich bin der beste Beweis. Aber mit dieser Unaufrichtigkeit verhält es sich wie mit all den anderen Lügen im Leben. Der Kopf vergisst nach einiger Zeit die eigentliche Wahrheit. Es entsteht ein Knäul aus Halb- und Unwahrheiten, die einzeln genommen vielleicht nicht schwer wiegen, einen aber mit sicherer Hand immer weiter von der Selbstliebe weg ins Chaos führen. Das Herz fühlt diese Dissonanz, ist durch die jahrelange Starre jedoch so geschwächt, das es aus diesem Labyrinth kaum mehr herausfindet.

Wenn man sein halbes Leben nun auf diesen Irrwegen zugebracht hat, ist der Faden, der einen hinausführt nicht mehr klar erkennbar. Bei vielen Menschen bringt erst der Leidensdruck den Wunsch nach Veränderung ans Tageslicht. Das Leben zwingt einen dazu, die Stagnation überwinden zu müssen. Erst aus tiefer seelischer Not heraus war ich bereit, meinen Lebensentwurf zu überdenken, dem Wunsch nach Authentizität Gehör zu geben. Zu meinem großen Glück fand ich in dieser Phase der Öffnung das Jin Shin Jyutsu.

Fasziniert von der Kraft, die mir das JSJ in der Zeit der vollkommenen Schwäche und Ausgebranntheit schenkte, wollte ich in der Manier des Wissenanhäufers alles darüber lernen. Ich wollte mit dem Kopf verstehen, was mein Herz fühlte. Was ich jedoch nicht vorhersah, war, dass mein liebes, fleißiges Hirn bald zum Beifahrer werden würde. Rationale Durchdringung war plötzlich nicht mehr alles. Nach langer Zeit begann ich wieder auf mein Herz zu hören, mir selbst auf die Spur zu kommen.

Das Strömen der fünften Tiefe harmonisiert uns mit unserem authentischen Selbst. Es lässt uns Klarheit entwickeln, entwirrt den Knoten der gelebten Unwahrheiten und schenkt Gelassenheit und Kraft für das Neue, Unbekannte, vor dem wir uns früher vielleicht gefürchtet haben. Die fünfte Tiefe gibt uns unser Ich zurück und schenkt uns Freiheit. Eine Erfahrung, die ich noch vielen anderen Menschen wünsche, die auf der Suche nach sich selbst sind.

Bettina, Pascal und Heidi danke ich dafür, dass sie jeden von uns in diesem Prozess an die Hand nehmen und liebevoll begleiten. Diese empathische Hilfestellung in der manchmal unheimlich anmutenden Selbsterfahrung ist die gelebte fünfte Tiefe: die Liebe zu unserem authentischen Selbst verleiht uns die Kraft, unseren Mitmenschen Mitgefühl und Liebe zu schenken. Oder - in anderen Worten: Wir geben unser Herz in die Welt - so wie es ist.

 

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